Pranger wieder "betriebsbereit"
 

(Quelle: http://www.ubstadt-weiher.de)

Eine der Aufgaben, die sich der Heimatverein Ubstadt-Weiher vorgenommen hat, ist es, auf historische Plätze und Gebäude hinzuweisen. Durch entsprechende Hinweistafeln sollen ortsunkundige Besucher, aber auch Einheimische die Hintergründe und historischen Begebenheiten sowie alles Wissenswerte über die markanten Gebäude erfahren.

Den Auftakt bildete jetzt der Zeuterner Pranger am alten Rathaus. Hier enthüllte am letzten Samstag (16.02.2002) der Heimatverein im Beisein der Zeuterner Gemeinderäte und Vertretern der "Republik Steinacker" ein Hinweisschild. Ferner wurde die Prangernische wieder mit den ursprünglichen Ringen versehen, die für das Anketten von Personen notwendig sind. Vom Hochmittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts, so Vorsitzender Dr. Waldis Greiselis, war der Pranger der Ort öffentlichen Strafvollzugs bei kleineren Delikten. Zur Abschreckung und Sühne wurden die Verurteilten am Pranger angekettet oder angebunden und so öffentlicher Demütigung ausgesetzt, die noch durch körperliche Züchtigungen, Halseisen, Haarschur und Spottmasken gesteigert werden konnte. Häufig war die Prangerstrafe mit einer Ortsverweisung gekoppelt. Die Zeuterner Prangernische entstand Mitte des 18. Jahrhunderts und wurde in der Zeit der französischen Besetzung unter Napoleon (1795 bis 1803) demoliert. Die früher vorhandene Kette war verschwunden.

Gerne wird der Zeuterner Pranger Besuchergruppen gezeigt, die vom bewährten Team Erich Dreher und Peter Kalt geführt werden. Diese hatten auch die Anregung gegeben, hier vordringlich tätig zu werden, damit nicht nur Theorie, sondern auch die Praxis im Sinne von körperlicher Ankettung erlebt und vollzogen werden kann. Derlei Unbill mussten bereits vor kurzem keine geringeren als die Richter des Bundesverfassungsgerichts über sich ergehen lassen, als sie bei ihrem Betriebsausflug Zeutern als Ziel erkoren hatten. Die Zeuterner Gemeinderäte, die den verhinderten Bürgermeister vertraten, bedankten sich beim Heimatverein für die gezeigten Aktivitäten.